Was ist Qi

Was ist Qi?

 

Konzepte und Beschreibungen für diese alles durchdringende Energie beziehungsweise Lebenskraft Qi finden sich in allen Kulturen der Welt wieder. Die Chinesen bezeichnen sie als Qi, die Inder als Prana, die Tibeter als Lung, die Ägypter als Ka, die Hawaianer als Mana und die Griechen als Pneuma oder Apeiron. Weitere Bezeichnungen sind Cheim in der jüdischen, Akasha in der hinduistischen und Ruh in der islamischen Literatur. Die Existenz um diese Lebenskraft ist ein Grundwissen aller traditionellen Kulturen – und sie wird nun auch durch aktuelle Erkenntnisse der Naturwissenschaften, besonders der Quantenphysik, Physik, Biochemie und Neurologie bestätigt. Frühere Versuche, Qi zu untersuchen wurden in unseren Breiten beispielsweise von Franz Anton Mesmer, Wilhelm Reich, Semjon Davidowitsch Kirlian und Julius Krmessky unternommen – lange nachdem bereits Aristoteles, Hippokrates, Demokrit und Paracelsus an seine Existenz glaubten.

 

Sie können sich Qi als die grundlegende Energie vorstellen, die allgegenwärtig auf fein- und grobstofflicher Ebene wirkt, in unterschiedlichen Frequenzen schwingt und daher auch in unterschiedliche Qi- Arten unterteilt wird.

 

Grob unterscheidet man dabei zwischen vor- und nachgeburtlichem Qi:

Das vorgeburtliche Qi, dessen Kraft im Augenblick der Vereinigung von Samen und Eizelle festgelegt wird, wird nach fernöstlicher Lehre in den Nieren gespeichert und kann nicht wieder aufgeladen werden. Die Nieren sind hier nicht im anatomischen Sinn zu verstehen, sondern umfassen auch das System der Lunge und der Milz. Genau genommen ist das vorgeburtliche Qi in einem Bereich wiederzufinden, der sich auf der Mittelache der Körperrückseite auf Taillenhöhe zwischen dem zweitem und dritten Lendenwirbel befindet und im Chinesischen mit dem Begriff „Mingmen“ bezeichnet wird. Von hier aus zirkuliert das Qi über bestimmte Energieleitbahnen (sogenannte Meridiane) im gesamten Körper. Diese Leitbahnen sind eng miteinander verwoben und zwölf von ihnen tragen die Namen der Organe, mit denen sie jeweils in enger energetischer Verbindung stehen.

Passenderweise verwendet man für Mingmen auch oft Bezeichnungen wie „Pforte des Lichts“, „Lebenspforte“ oder „Tor des Lebens“, die seine Bedeutung hervorheben. Das nachgeburtliche, erworbene Qi wird im Gegensatz zum vorgeburtlichen Qi durch unsere Lebensweise beeinflusst. Es kann also angereichert werden, sodass möglichst wenig vorgeburtliches Qi verbraucht wird.

Stellen Sie sich zwei Gläser Wasser vor: Aus dem einen (vorgeburtliches Qi) wird erst dann getrunken, wenn das andere (nachgeburtliches Qi) leer ist.

 

Grundsätzlich kann das nachgeburtliche Qi auf verschiedene Weise in den Körper aufgenommen werden. Dies ist über Bewegungsformen wie beispielsweise Qigong, über die Atmung (Qing Qi beziehungsweise Zongqi, das Qi des Himmels genannt) oder über die Nahrung (Ying Qi, das Qi der Erde genannt) möglich.


Weiter sorgt auch eine maßvolle Lebensweise für den Erhalt des Qi. Geht man oft an seine Grenzen, braucht man viel von seiner wertvollen Energie auf.

 

 

Die inneren Energien Jing, Qi und Shen sind im Grunde ebenfalls unterschiedliche Arten ein und derselben Kraft.

 

Man übersetzt

Jing als Lebensessenzenergie,

Qi als Lebensenergie und

Shen als geistig psychische Energie.

 

Genau genommen liegt hier Energie in unterschiedlichen Aggregatzuständen vor, ähnlich wie bei Wasser, Dampf und Eis. Das Prinzip von Yin und Yang kommt in den drei Energien sehr schön zum Ausdruck.

 

Die feine, nach oben strebende Yang- Kraft entspricht dem Shen und hat seinen Sitz in einem Energiezentrum des Körpers, das sich im Stirnbereich etwa fünf bis sieben Zentimeter im Inneren des Körpers befindet. Zu der geistig psychischen Energie Shen zählt man die Fähigkeit, sinnliche Empfindungen und Gefühle wahrzunehmen, zu interpretieren und zu analysieren sowie auch unbewusste innere Körperfunktionen wie beispielsweise der Herzschlag. Auch eine schnelle Auffassungsgabe und ein gesundes Nervensystem zeugen von einem starken Shen. Shen kann durch den Willen und den Geist aktiviert und durch die Stille genährt werden, die man auch durch Meditationsübungen erreichen kann. Seine Aktivierung ist unabhängig von Qi, während das Qi auf Shen und Jing auf Qi und Shen angewiesen ist.

 

Materie entspricht dem speichernden, nährenden Erdelement. So findet sich das oft als „materialisiertes Qi“ bezeichnete Jing im unteren Körperbereich wieder und ist tendenziell nach unten gerichtet. Daher besitzt es auch eine starke Yin- Eigenschaft. Da es im Nieren- Yin beziehungsweise dem sogenannten „Mingmen“ gespeichert ist, ist es unter anderem für die Bildung des Knochenmarks, welches mit der Nierenenergie in Verbindung steht, verantwortlich. Bedenkt man, dass das vorgeburtliche Yuan Qi seinen Sitz ebenfalls im Bereich der Nieren hat, verwundert es nicht, dass eine enge Verbindung zwischen ihnen besteht und man in alten Schriften auch gelegentlich der Begriff Yuan Jing findet. Jing konzentriert sich in den Hüften und Beinen und wird von dort durch die Sehnen und Sehnenansätze weitergeleitet. Daher ist es besonders wichtig, in diesem Bereich zu entspannen. Wird durch die Qigong Übungen Qi und somit Wärme erzeugt, fördert dies die Elastizität der Sehnen und Muskeln und wirkt sich positiv auf die Jing- Energie aus. Weitere Möglichkeiten, positiv auf das Jing einzuwirken, das zu einem Teil durch die Eltern vererbt wird, sind qualitativ hochwertige Nahrung und einige daoistische Sexualpraktiken. Oftmals wird Jing auch als materialisiertes Qi bezeichnet, was darauf zurückzuführen ist, dass es sich in Flüssigkeiten, die mit neuem Leben in Verbindung stehen (etwa Menstruationsblut, Eizellen, Sperma, Speichel) manifestiert.

 

Das Qi in der Mitte des Körpers wirkt ausgleichend zwischen Himmel und Erde und vereint beide Kräfte. Es ist grobstofflicher als Shen und feinstofflicher als Jing. Es wird bei Bewegungs-, Atem- und stillen Übungen unter anderem im Bereich der Wirbelsäule aktiviert und stärkt dabei das Rückgrat. Sie manifestiert sich hauptsächlich im Atem und kann dadurch leicht durch Nase und Mund entweichen. Je nach Wirkungsweise kann man es in unterschiedliche Qi- Arten unterteilen. Hierzu gehören beispielsweise das Abwehr- Qi, welches eine ähnliche Funktion wie der Sympathikus hat, das innere Qi, welches im Körper fließt und das äußere Qi, das Qi der einzelnen Organe sowie das positive und negative Qi.

 

 

 

 

 

Quelle: Gera, Bernadett: Guolin Qigong, Irisiana, München, 2014 (ISBN 3424152501)

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